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Oberpfalz, 1980er Jahre: Die Arbeitslosenzahlen steigen und der Landrat Hans Schuierer (Johannes Zeiler) steht unter Druck, Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen. Da erscheinen ihm die Pläne der Bayerischen Staatsregierung wie ein Geschenk: In der beschaulichen Gemeinde Wackersdorf soll eine atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) gebaut werden, die wirtschaftlichen Aufschwung für die ganze Region verspricht. Doch als der Freistaat ohne rechtliche Grundlage mit Gewalt gegen Proteste einer Bürgerinitiative vorgeht, die sich für den Erhalt der Natur in ihrer Heimat einsetzt, steigen in Schuierer Zweifel auf. Vielleicht ist die Anlage doch nicht so harmlos wie behauptet. Er beginnt nachzuforschen und legt sich mit der mächtigen Strauß-Regierung an.

WACKERSDORF ist ein packendes Polit-Drama über die Hintergründe, die zu dem legendären Protest gegen den Bau der WAA in der Oberpfalz führten. Johannes Zeiler (FAUST) spielt den Lokalpolitiker Hans Schuierer, der seine Karriere und seine Zukunft aufs Spiel setzte, weil er kompromisslos für Recht und Gerechtigkeit kämpfte. An Originalschauplätzen im Landkreis Schwandorf gedreht, verfolgt der Film die Geburtsstunde der zivilen Widerstandsbewegung in der BRD. Ein Plädoyer für demokratische Werte und Bürgerengagement, heute so aktuell wie damals.

Wie ist die Idee entstanden, einen Film über Wackersdorf zu drehen?
Nach dem Reaktorunglück in Fukushima und dem deutschen Atomausstieg dachte ich über das Thema Atomkraft nach – und kam auf Wackersdorf. Ich habe mich gewundert, dass es bislang keinen Film dazu gab. Das ist ein zentrales Ereignis der bayerischen Nachkriegsgeschichte, ja die Geburt der bayerischen Zivilgesellschaft.

Wieso ist damals diese riesige Protestbewegung entstanden?
In erster Linie aus dem Gefühl heraus, dass man die Region verschaukeln wollte. Die bayerische Regierung glaubte, dem damaligen Armenhaus Bayerns die WAA als Goldgrube verkaufen zu können, und dachte, dass sich niemand wehren würde. Das haben die Leute gespürt. Es war auch ein Konflikt zwischen dem reichen München und der armen Region, zwischen der Arroganz der Macht und einer Gegend, die sich nicht für dumm verkaufen lassen wollte. Dass sich dann immer mehr Menschen auch der konkreten Bedrohung durch die Atomenergie bewusst geworden sind, ist das Verdienst einzelner Leute, die Aufklärungsarbeit geleistet haben.

Einen dieser Menschen rücken Sie in den Mittelpunkt: den Schwandorfer Landrat Hans Schuierer. Wieso ist er eine interessante Figur fürs Kino?
Weil er ein Held wider Willen ist. Er ist ein zutiefst bürgerlicher Mensch, glaubte an das System und an den Rechtsstaat – und es erschütterte ihn, dass dieser ausgehebelt wurde, dass ohne Genehmigung Bauten abgerissen wurden, dass Demonstrationen verboten wurden. Er hätte nicht für möglich gehalten, dass das in einer Demokratie möglich ist. Man darf nicht vergessen: Die Erfahrung des totalitären Staates saß bei ihm tief, sein Vater war im Konzentrationslager Flossenbürg.

Schuierer wurde vom Befürworter zum bekanntesten Gegner der WAA.
Am Anfang hat er in der WAA nur den wirtschaftlichen Nutzen gesehen. Aber als er merkte, dass er die Angelegenheit falsch eingeschätzt hatte, war er fähig umzudenken. Ich empfinde das als große Leistung, einen Fehler eingestehen zu können. Und er wurde eine Galionsfigur des Widerstands. Dass der Landrat mitdemonstrierte, war für viele Leute ein maßgeblicher Grund, sich an dem Protest zu beteiligen. Schuierer hat dabei seine wirtschaftliche Zukunft riskiert, er hätte alle Rentenansprüche verlieren und vor dem Nichts stehen können. Dieser Mann verkörpert Prinzipientreue und Glaubwürdigkeit, wonach wir uns heute so sehnen.

Kürzlich gingen 30.000 Menschen gegen die Polizeigesetze auf die Straße, das war die größte Demonstration seit Jahrzehnten. Kommt der Film genau zur richtigen Zeit?
Ja, es gibt in Bayern wieder Tendenzen von staatlicher Seite, die Freiheit zu demontieren. Und es gilt, die Demokratie nicht von sicherheitsbesessenen, autoritären Politikern zerstören zu lassen. Der aktuelle Ministerpräsident beruft sich ja offensiv auf Franz Josef Strauß. Da ist es ganz gut daran zu erinnern, was alles im Keller modert. Mit dem aktuellen Polizeigesetz wäre es damals übrigens viel einfacher gewesen, die Demonstrationen zu zerschlagen und die Leute ins Gefängnis zu schicken.

In einer Szene des Films wird deutlich, wie weit die Achtziger Jahre von unserem Internet-Zeitalter entfernt sind. Da sucht eine Bibliothekarin für Hans Schuierer am Microfiche-Apparat nach Büchern zum Thema Atomenergie. Wofür steht diese Szene?
Eine große Frage war für uns: Wie lange hat es damals gedauert, sich zu informieren? Man konnte nicht auf Wikipedia klicken, sondern musste ein Buch lesen. Das erforderte Anstrengung, das kennen wir gar nicht mehr. Wir können uns die Informationen zusammenklicken, und oft reichen uns diese schon. Aber erst aus einem tiefen Wissen kann sich eine Haltung entwickeln. Und das ist das Hauptplädoyer des Films: Wir müssen wieder eine Haltung zur Welt entwickeln.

Schulmaterial

Die bürgerkriegsähnlichen Bilder haben sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt: Polizisten, die auf Demonstranten einschlagen und aus Wasserwerfern Reizgas schießen, Helikopter, aus denen Rauchbomben geworfen werden, Autonome, die mit Steinen auf Polizisten zielen und Autos anzünden. Und mittendrin Zehntausende Bürger, die friedlich demonstrieren, um den Bau einer Wiederaufbereitungsanlage zu verhindern.

Diese soll in den Achtziger Jahren in Wackersdorf gebaut werden, einer Gemeinde im oberpfälzischen Landkreis Schwandorf. Die Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK), ein Zusammenschluss der zwölf größten Energieversorger der BRD, hatte jahrelang nach dem passenden Ort für die WAA gesucht, in der jährlich 500 Tonnen Atommüll bearbeitet werden sollen. Im Februar 1985 legt sie sich auf Wackersdorf fest. Darauf hatte Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß energisch hingearbeitet, der DWK pries er die Oberpfälzer als „industriegewohnte Bevölkerung“ an.

Eine Fehleinschätzung: Anwohner und Atomkraftgegner sind schon mobilisiert, seit der Standort Wackersdorf im Gespräch ist. 1981 gründet sich die „Bürgerinitiative Schwandorf“, 1982 demonstrieren 15.000 Menschen gegen die WAA-Pläne, ab 1984 finden regelmäßig „Sonntagsspaziergänge“ statt. Aber nicht alle in der Region sind gegen die WAA: Über der Frage, ob die potenziell lukrative Anlage gebaut werden soll, zerbrechen viele Familien und Freundschaften.

Am 11. Dezember 1985 beginnt die Rodung im Taxöldener Forst bei Wackersdorf. Die Gegner errichten auf dem Baugelände Hüttendörfer, die von der Polizei umgehend geräumt werden. An Heiligabend stehen die Hütten wieder, bis zu 1.500 Demonstranten feiern Weihnachten und Silvester bei klirrender Kälte. Am 7. Januar 1986 beendet die Polizei den „Weihnachtsfrieden“, macht das Hüttendorf dem Erdboden gleich und verhaftet hunderte Demonstranten. Der Widerstandsgeist wird dadurch umso größer. An Ostern gehen 100.000 Menschen zur Baustelle. Bei Auseinandersetzungen mit Militanten setzt die Polizei erstmals CS-Gas ein. Kurz darauf erhalten die Proteste eine neue Dimension – wegen der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986.

Wie breit der Widerstand gegen die WAA ist, verdeutlicht eine Zahl: 881.000. So viele Einwendungen werden beim Erörterungstermin zur zweiten Teilerrichtungsgenehmigung 1988 eingereicht. Die CSU-geführte Staatsregierung hält dennoch an ihren Plänen fest, auch nach dem Tod von Franz Josef Strauß im Oktober desselben Jahres. Das Ende der WAA beschließt nicht die Politik, sondern die Industrie: Im April 1989 zieht sich der größte deutsche Energieproduzent VEBA (heute E.ON) zurück. „Zu langwierig, zu teuer“, lautet das Fazit des Vorstandsvorsitzenden Rudolf von Benningsen-Foerder.

Im Juni unterzeichnen Minister aus BRD und Frankreich dann eine Vereinbarung für die gemeinsame Wiederaufbereitungsanlage in La Hague. Dort und in England werden heute die abgebrannten Brennstäbe aus deutschen Atomkraftwerken wiederaufbereitet. Auf dem Gelände im Taxöldener Forst befindet sich mittlerweile der „Innovationspark Wackersdorf“, ein 55 Hektar großes Industriegebiet, auf dem 3.000 Menschen für BMW und Automobil-Zulieferer arbeiten.

Hans Schuierer wurde am 6. Februar 1931 in Klardorf, einem Vorort von Schwandorf, geboren. Sein Vater, ein Bergarbeiter und Straßenwächter, war Sozialdemokrat und stand auch nach 1933 offen zu seiner politischen Überzeugung. Er wurde von der Gestapo verhaftet und ins KZ Flossenbürg gebracht – für Hans Schuierer eine prägende Erfahrung. 1948, mit 17 Jahren, trat er in die Partei seines Vaters ein, der das Dritte Reich überlebt hatte. Nach Abschluss der Volksschule wurde Hans Schuierer Maurer und Wegemacher, durch Fortbildungen stieg er bis zum Kreisbaukontrolleur in Burglengenfeld auf. Dort begann auch seine politische Karriere, er wurde 1957 als SPD-Abgeordneter in den Kreistag gewählt. 1964 wurde er Bürgermeister von Klardorf, 1970 Landrat von Burglengenfeld. Nach der bayerischen Gebietsreform stellte er sich 1972 zur Wahl im neu gegründeten Großlandkreis Schwandorf und gewann.

Dem Bau der WAA in Wackersdorf stand er anfangs positiv gegenüber, weil über 3.000 Arbeitsplätze in Aussicht standen. Doch er wurde misstrauisch wegen der „brutalen Art“*, mit der die CSU-Regierung das Projekt durchsetzen wollte. Ein Schlüsselerlebnis hatte er, als er auf den Bauplänen einen 200 Meter hohen Kamin entdeckte und der DWK-Vertreter sagte, dadurch sollen „die radioaktiven Schadstoffe gleichmäßiger verteilt werden“. Schuierer entwickelte sich zum entschiedenen Gegner der WAA, schätzte sie als Gefahr für die Gesundheit von Generationen ein.

Im September 1984 widersetzte er sich der Anweisung, den WAA-Bebauungsplan öffentlich auszulegen. Der CSU-dominierte Landtag änderte daraufhin 1985 im Eilverfahren das Verwaltungsverfahrensgesetz: Fachminister konnten künftig in Ausnahmefällen die Leiter der Aufsichtsbehörden ermächtigen, anstelle der Landräte zu handeln. Mit dieser „Lex Schuierer“ sollte der widerständige Landrat politisch entmündigt werden. Franz Josef Strauß begründete die Gesetzesänderung explizit mit einem angeblichen „Sabotageversuch“ des Landrats. Dieser sagte im Gegenzug, man könne „diese Äußerungen von Strauß als Sabotage gegen die freie Meinungsäußerung bezeichnen. Ich werde es nicht dulden, dass unsere Bürger zu atomaren Versuchskaninchen der Nation gemacht werden.“

Immer wieder stellte sich Schuierer offen gegen Franz Josef Strauß. Bei einer Demonstration im Dezember 1985 sprach er von einer „Ein-Mann-Demokratie“, einer „CSU-Demokratur“ und davon, „was Strauß bei den vielen Besuchen in Südafrika, Chile und all den Militärdiktaturen und den kommunistischen Staaten gelernt hat“. Das brachte dem Landrat ein Disziplinarverfahren ein, das ihn sein Amt hätte kosten können. Außerdem demonstrierte Schuierer gemeinsam mit seiner Frau Lilo gegen die WAA und entwickelte sich zur Galionsfigur des Widerstands – und zu einem bundesweit geachteten und verehrten Politiker. Er blieb bis zu seiner Pensionierung 1996 Landrat von Schwandorf, bei Wahlen erhielt er stets fantastische Ergebnisse von bis zu 73 Prozent. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den heute 87-Jährigen mehrfach als „Titan von Wackersdorf“.

* Hans Schuierer, zitiert nach: Oskar Duschinger: Unbestechlich. Hans Schuierer. Ein Leben für den Bürger und gegen die WAA. Burglengenfeld 1986.


BESETZUNG

 
Hans Schuierer JOHANNES ZEILER
Claus Bössenecker PETER JORDAN
Vollmann FLORIAN BRÜCKNER
Monika Gegenfurtner ANNA MARIA STURM
Karl Gegenfurtner ANDREAS BITTL
Karlheinz Billinger FABIAN HINRICHS
Josef Pirner JOHANNES HERRSCHMANN
Staatssekretär FREDERIC LINKEMANN
Lilo Schuierer INES HONSEL
Umweltminister SIGI ZIMMERSCHIED
Innenminister AUGUST ZIRNER
   

STAB

 
Regie OLIVER HAFFNER
Drehbuch GERNOT KRÄÄ & OLIVER HAFFNER
Produzent INGO FLIESS
Kamera KASPAR KAVEN
Schnitt ANJA POHL
Szenenbild RENATE SCHMADERER
Kostümbild CHRISTIAN RÖHRS
Maskenbild DANA BIELER & IRINA SCHWARZ
Musik HOCHZEITSKAPELLE
Redaktion CLAUDIA SIMIONESCU,
CARLOS GERSTENHAUER (BR),
BARBARA HÄBE (ARTE),
MONIKA LOBKOWICZ (BR-ARTE)
   


Deutsche Umwelthilfe
www.duh.de
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Kondrauer Mineralwasser
www.kondrauer.de
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Battenberg Verlag
www.battenberg-gietl.de
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Green City München
www.greencity.de
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.ausgestrahlt e.V.
www.ausgestrahlt.de
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Stiftung Mensch und Umwelt
www.stiftung-mensch-umwelt.de
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Umweltinstitut München e.V.
www.umweltinstitut.org
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Zündfunk
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Utopia
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